Vom Reden zum Handeln: Schulen als Motoren der Klimawende
Über 60 Lehrkräfte erarbeiten im klimadidaktischen Workshop „Klima-Check-Rundgänge an der Schule“ konkrete Maßnahmen für den Schulalltag.
Am Mittwoch, den 10.6.26 verwandelte sich die Henry-Benrath-Schule in Friedberg in ein Zentrum für zukunftsweisende Klimabildung. Dr. Achim Schröder (Leiter des Studienseminars) und Peter Schäfer (Schulleiter) begrüßten über 60 engagierte Lehrkräfte aus der Region. Als Gast brachte Christian Schubert, Leiter der Fachstelle Gebäudetechnik Schulen, die Perspektive der Kreisverwaltung ein und informierte über den Stand der klimatechnischen Modernisierungen im Wetteraukreis. Veranstaltet wurde der Workshop vom Klimarat des Studienseminars in enger Kooperation mit der Ortsgruppe Friedberg / Wetterau-/Hochtaunuskreis der „Teachers For Future“.
In seinem Vortrag „Auf dem Weg zu klimaneutralen Schulen“ stellte Michael Sach den „Whole School Approach“ vor, ein pädagogisches Konzept, das Themen wie Nachhaltigkeit nicht nur als Unterrichtsfach behandelt, sondern sie zum Leitprinzip der gesamten Schulgemeinschaft macht. Sach betonte: “Individuelle Verhaltensänderungen sind zwar hilfreich, aber nicht ausreichend.“ Studien zeigen, dass die bisherige Klimabildung oft zu unpolitisch agiert. Um den nötigen systemischen Wandel zu erreichen, so Michael Sach, “muss der Fokus auf strukturverändernde und kollektive Maßnahmen verschoben werden”. Warum Klimaschutzmaßnahmen eine hohe Priorität haben, untermauerte Sach mit eindrucksvollen Fakten: “Schulen sind als öffentliche Gebäude häufig für mehr als die Hälfte des Energieverbrauchs kommunaler Liegenschaften verantwortlich”. Weiter seien „Schulen ein zentraler gesellschaftlicher Mikrokosmos, in dem nachhaltiges Handeln eingeübt werden kann.”
Beim anschließenden praktischen Rundgang durch die Schule nahmen die Lehrkräfte, unterstützt von Schülern, die Infrastruktur kritisch unter die Lupe. Mängel und Potenziale wurden direkt sichtbar: ein asphaltierter Schulhof ohne Schatten, eine Holzpellets-Heizung ohne Wärmepumpen, unzureichender Hitzeschutz in den Klassen sowie ein riesiges, bislang ungenutztes Dachpotenzial für Photovoltaik.
Neugierig und motiviert durch die Eindrücke des Rundgangs vertieften die Lehrkräfte ihre Beobachtungen anschließend in Arbeitsgruppen.
In einer Gruppe widmeten sich Celia Beutler und Barbara Reubold dem Hitzeschutz auf Schulhöfen; sie untersuchten Maßnahmen wie Baumpflanzungen, Fassadenbegrünung und Sonnensegel, um sommerliche Hitzeinseln abzumildern. Michael Sach und der Experte für regenerative Energien Andreas Wöll diskutierten, wie Lernende geeignete Dachflächen für Photovoltaik ermitteln können und wie der Ausbau zu beschleunigen sei. Wöll betonte: „Die Nutzung erneuerbarer Energien wie Photovoltaik oder Solarthermie zählt zu den wirksamsten Maßnahmen auf dem Weg zur klimaneutralen Schule. So senken wir Emissionen und machen Klimaschutz vor Ort direkt sichtbar.“ Mit dem Thema Energie und Wärme beschäftigten sich Stefan Ruppert sowie Nina Walter und Rebekka Hartmann vom Verein „Umweltlernen Frankfurt“. Sie berichteten von dem Ansatz, Schüler als „Energie-Detektive“ einzusetzen, die mit einfachen Messgeräten Temperatur, Helligkeit und Stromverbräuche selbst erfassen und damit praxisnah für den Klimaschutz durch bewussten Energieeinsatz sensibilisiert werden. Die Mobilität nahmen Belisa Meissner und Gabriel Schmitt in den Blick. Schmitt, der diese Themen im Unterricht untersucht hat, stellte fest, dass neben den Schulwegen besonders Fernreisen und Exkursionen einen sehr hohen CO2-Ausstoß verursachen. Um Ernährung ging es bei Michaela Schremmer von den „Teachers For Future“ und dem Koch Hugh Anderson. Während Schremmer sich an ihrer Schule für den praktischen Betrieb eines Schulackers engagiert, kocht Anderson häufig vegetarisch mit Schülern und Schülerinnen und achtet dabei auf Lebensmittelrettung. Abgerundet wurde das Spektrum von Jill Zielke im Bereich Klimakommunikation. Die Teilnehmenden lernten, wie sich die Ergebnisse der schulischen Klimachecks über Social-Media-Kanäle wie TikTok oder Instagram digital sichtbar machen lassen. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde ein KI-gestütztes Tool vorgestellt, das Schulklassen dabei hilft, fundierte Petitionen an Politik und Schulträger zu formulieren.
Das Fazit des Tages war eindeutig: Schulen sind ein unverzichtbarer Transformationsmotor, der Jugendliche befähigt, echten Wandel in Politik und Gesellschaft einzufordern.

